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13. Oktober 2015

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Ein Hang spaltet das Dorf

Die Abstimmung über die Umzonung des Land Rai am kommenden Sonntag verspricht eine spannende Angelegenheit zu werden. Zumindest, wenn man den bisherigen Abstimmungskampf in Bergdietikon als Massstab nimmt. Befürworter wie Gegner der Vorlage, mit der die Landreserve in eine Wohnzone überführt und die kommunale Bauund Nutzungsordnung (BNO) angepasst werden soll, vertreiben mit Broschüren, Plakaten und Visualisierungen seit Wochen fleissig ihre Argumente – teilweise auch mit unschönen Nebeneffekten. So wurde ein älterer Bergdietiker, der den Gegnern erlaubt hatte, ein Plakat auf seinem Grundstück aufzustellen, im Dorf kritisiert und mit anonymen Telefonanrufen belästigt. Um nicht zum Dorfgespräch zu werden, hat er die Gegner gebeten, das Plakat wieder zu entfernen, wie er auf Anfrage der Limmattaler Zeitung sagt. Aus diesem Grund wollte er auch anonym bleiben. Der Vorfall zeigt: Die Zukunft des rund 32’000 Quadratmeter grossen Land Rai erhitzt die Bergdietiker Gemüter.

Für ein Ja an der Urne sprechen sich im Komitee «Ja zum Rai für Bergdietikon» die Ortsparteien der FDP und der SVP sowie das Bürger-Forum Bergdietikon aus. Auch der Gemeinderat empfiehlt den Stimmberechtigten die Vorlage zur Annahme. Er verweist dabei auf die Gemeindeversammlung vom Juni, an der die Überführung des Land Rai in eine Wohnzone mit 89 Ja- zu 58 Nein- Stimmen gutgeheissen worden war. Gegen diesen Entscheid ergriffen die Gegner des NoRai.ch-Komitees damals das Referendum, das mit 428 gültigen Unterschriften zustande kam — 185 wären für das Referendum nötig gewesen.

Massvoll oder explosionsartig
Der Gemeinderat argumentiert im Abstimmungsbüchlein (Unterlagen), dass Bergdietikon mit einer Überbauung des Land Rai massvoll und kontrolliert wachsen könne. Dieses Ziel entspreche einer Volksbefragung, in der sich die Bevölkerung für ein Wachstum der Gemeinde auf 3200 Einwohner ausgesprochen habe. Das parteiübergreifende Ja-Komitee fügt hinzu, dass auf der letzten grossen Baulandreserve der Gemeinde «sorgfältig geplante Familienwohnungen» entstehen werden. Die Baudichte folge den raumplanerischen Vorgaben des Kantons, der Hang bleibe mehrheitlich grün.
Die Argumente der Befürworter sind dabei eng verknüpft mit einem Vorprojekt des Bauunternehmens Implenia. Nachdem die Bergdietiker einem Verkauf der gemeindeeigenen Parzellen 2011 an die Firma zugestimmt hatten, schlossen Implenia und Gemeinde einen Vorvertrag. Darauf erstellte das Unternehmen ein Richtprojekt. Im Abstimmungsheft führt der Gemeinderat aber auch finanzielle Überlegungen für die Vorlage ins Feld. So wird den Stimmbürgern vorgerechnet, wie teuer der Gemeinde ein Nein zu stehen komme: Sie rechnet mit einem Verlust von mindestens 9,9 Millionen Franken – zusätzlich zu bisherigen Aufwendungen durch Kauf, Planung und Abschreibungen von 8,4 Millionen. In den späten 1980er-Jahren hatte die Gemeinde drei Parzellen des Hangs für 7,3 Millionen gekauft und über mehrere Jahre einen Teil davon abgeschrieben.

Das «NoRai.ch»-Komitee lässt das finanzielle Argument nicht gelten. Bergdietikon brauche den Gewinn aus dem Landverkauf nicht, schreiben sie im Abstimmungsheft. Aus Sicht der Gegner ist es ohnehin falsch, eine ausgeglichene Rechnung durch den Verkauf der letzten Baulandreserve zu erreichen. Vor allem aber sind ihnen die in der neuen BNO definierten Gebäudehöhen und -längen ein Dorn im Auge. Neben teils unbegrenzten Gebäudelängen sind in einem gewissen Bereich der neuen Zone bis zu sechs Vollgeschosse erlaubt. Was nach Rechnung der Gegner zu bis zu 19,5 Meter hohen Gebäuden führen könnte.

Der Gemeinderat relativiert diese Maximalwerte: Gemäss Gesetzgebung des Kanton Aargau gelte ein Untergeschoss, wenn es teilweise oberirdisch sei, als Vollgeschoss – was beim Land Rai wegen der Hanglage der Fall sei. Für die Gegner hingegen ist klar: Die BNO erlaube eine «vollkommen überdimensionierte Überbauung». Und sie gehen davon aus, dass die Maximalwerte von einem Investor auch «zweifellos» ausgenützt werden – Vorprojekt hin oder her. «Solche Renditebunker würden unsere hohe Wohnqualität reduzieren.» Bei einer Annahme der Vorlage befürchten die Gegner ein explosionsartiges Bevölkerungswachstum, dem die kommunale Infrastruktur nicht gewachsen sei. «Über zusätzliche Kosten für Bildung, Verkehr, Gesundheit und Soziales (…) usw. schweigt der Gemeinderat», schreiben sie.

Limmattaler Zeitung vom 13. Oktober 2015 (Tobias Hänni)

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