Gemeindeverwaltung

Schulstrasse 6
8962 Bergdietikon

Öffnungszeiten:
Mo–Fr: 8.30–11.30 / 14–16
Do: 8.30–11.30 / 14–18

Home > Aktuelles > Bericht
 

Aktuelles: Bericht

vorheriger Bericht     zurück zur Liste     nächster Bericht

18. September 2017

foto

«Eine dominante Minderheit bestimmt»

Die Amtszeit des Bergdietiker Gemeindeammanns Gerhart Isler ist geprägt von vielen Höhen und Tiefen. Nach fulminantem Start bei der ersten Wahl 2009, erzielte er bei der zweiten nur ein mässiges Ergebnis. Auch mit vielen grösseren Projekten in der Gemeinde scheiterte die Exekutive unter seiner Leitung. Dennoch geht Isler am Ende dieser Legislaturperiode in aufgeräumter Stimmung.

Herr Isler, haben Sie die Nase voll von der Gemeindepolitik?
Gerhart Isler: Nein, gar nicht. Ich habe von Anfang gesagt, dass ich für zwei Legislaturperioden zur Verfügung stehe. Ich bin auch überhaupt nicht frustriert, und ein wenig bereue ich meine Entscheidung aufzuhören sogar. Aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Es ist gut, wenn Gremien nicht zu lange in derselben Zusammensetzung arbeiten.

Warum sind Sie vor acht Jahren in die Lokalpolitik eingestiegen?
Eigentlich wider Willen. Beim Bürger-Forum traf ich andere Einwohner, die unzufrieden waren mit der Gemeindepolitik, vor allem mit dem Steueramt und der Verschuldung. Die Gemeinde war etwas eingeschlafen, die Standortattraktivität nicht so hoch, die Schulgebäude waren überaltert. Man kann nicht immer nur unzufrieden sein und motzen, man muss auch bereit sein, selbst anzupacken.

Vor der Wahl gab es 2008 eine besondere Gemeindeversammlung.
Wir vom Bürger-Forum waren so etwas wie ein revolutionärer Untergrund. Unser Ziel war es, das Steueramt auszulagern; für ein eigenes war die Gemeinde mit 2300 Einwohnern aus unserer Sicht zu klein. An dieser denkwürdigen Versammlung in einer randvollen Turnhalle trat ich als Rädelsführer auf. Unser Vorschlag wurde angenommen. Da das Referendum ergriffen wurde, ging der Vorschlag an die Urne und wurde dann abgelehnt.

Kaum bei den Gemeinderatswahlen im Jahr 2009 angetreten, lehrten Sie als Parteiloser erst die Parteien, dann den amtierenden Gemeindeammann das Fürchten.
Es wurde niemandem das Fürchten gelehrt. Ich hatte eine gute Wahlbroschüre gemacht. Gemeindeammann Paul Meier betrieb dagegen kaum Werbung. Am Ende wurde er nicht wiedergewählt, der langjährige Gemeindeschreiber Urs Spörri, der auch antrat, lag noch vor ihm. Für einen Nobody mit null Politikerfahrung erzielte ich ein gutes Wahlresultat; die Einwohner wollten eine Veränderung. Und da kein anderer wollte, wurde ich schliesslich in stiller Wahl zum Ammann gewählt.

Im Wahlkampf haben Sie viel versprochen. Wissen Sie noch, was?
Neben der hohen Verschuldung der Gemeinde von vielen Millionen Franken und der mangelnden Standortattraktivität war uns die Schulsituation wichtig. In den letzten Jahren wurde unter anderem das Mehrzweckgebäude Schule gebaut, dank dem unsere Kinderbetreuung noch attraktiver gemacht werden konnte. Darauf dürfen wir stolz sein. Auf meiner Agenda stand damals auch die verbesserungsfähige Kommunikation. Die Gemeindeversammlungen und die Neuzuzügeranlässe haben wir attraktiver gemacht. Mit der Bergdietiker Ziitig verfügen wir über ein hochwertiges und dank Inseraten kostengünstiges Gemeindeblatt. In der Verwaltung wurde viel erneuert, neu strukturiert und auf einen heute in jeder Beziehung guten Stand gebracht.

Ihre Zeit als Gemeindeammann ist geprägt von grossen Aufreger-Themen wie die Bebauung des Land Rai, der Golfplatz in Herrenberg, das Gezerre um das Alterszentrum Hintermatt. Sie alle gingen nicht erfolgreich aus für die Exekutive.
Der direkte Einfluss der Gemeinde war in diesen Fällen mehrheitlich gering. Der geplante Golfplatz war ein rein privates Bauprojekt, das wir seitens des Gemeinderats ideell unterstützten, weil wir es eine gute Sache fanden. Im Falle Land Rai, wo vom Kanon strikte Vorgaben bestehen, haben einige Einwohner erfolgreich dagegen gearbeitet, dass das Gebiet umgezont und bebaut wird. Ihre Argumente verfingen bei der Abstimmung; fast 60 Prozent der Stimmbürger wollte die Bebauung nicht. Das Alterszentrum war und ist für uns eine Herzensangelegenheit, schliesslich ist die Gemeinde überaltert. Wir müssen alte Bergdietiker in Heime in anderen Gemeinden unterbringen, weil es hier keinen Platz hat. In unserer Demokratie können einige wenige viel Grosses verhindern. Und leider schauen immer mehr Menschen nur für sich und nicht für das Gemeinwohl.

Das klingt, als seien Sie an den Bergdietikern manchmal verzweifelt.
Das hat nichts mit Bergdietikon zu tun. Generell stehen in unserer Luxusgesellschaft immer öfter Eigeninteressen im Vordergrund. Das macht die politische Arbeit sehr schwierig, weil dann die Fakten in den Hintergrund rücken. Die hoch entwickelten Demokratien bieten sehr viele juristische Rechte. Wenn aber ein Einzelner gegen eine Sache opponiert, ist das unter Umständen für das Wohl des Kollektivs nicht richtig. Besonders schlimm aber ist die Lügerei, dass Sachen behauptet werden, die von A bis Z falsch sind.

Können Sie Beispiele nennen?
Es wurde behauptet, ich hätte persönlich ein Interesse am Bau des Alterszentrums, weil ich im Verwaltungsrat der Oase sitzen würde. Das ist schlicht falsch. Bezüglich des Golfplatzes wurde behauptet, das Zischen der Bälle verjage die Vögel und dass ein Golfplatz für die Wanderer gefährlich sei. In einer Broschüre zum Land Rai wurde ein Hochhaus aus Schlieren hinein montiert. Wer kein Amt bekleidet, kann einfach alles behaupten. Als Politiker müssen Sie immer bei den Fakten bleiben und dürfen nicht ausrasten. Man muss sich viel gefallen lassen.

Das hört sich jetzt aber doch nach Frust an. Sie haben ja auch öfter geklagt, dass es in der Politik im Gegensatz zur Wirtschaft schwieriger ist, Dinge zu verändern.
Ich frage mich schon: Demokratie, quo vadis? Unsere direkte Demokratie, so wie sie heute gelebt wird, ist sehr ineffizient geworden. Für alles und jedes gibt es Vereinigungen, Planungsgruppen und Kommissionen. Wir kommen in vielen Bereichen vor lauter Diskutieren kaum vom Fleck. Es herrscht ein gefährlicher Entscheidungsmangel. Unser System muss effizienter werden, es ist nicht mehr zeitgemäss, denn um uns herum ist alles viel schneller geworden. Wir sitzen mit einem Bein in einem Porsche Turbo und mit dem anderen in der miefigen Amtsstube. Alles dauert ewig, wenn wir etwas vom Kanton wollen, warten wir Monate.

Was schlagen Sie vor?
Die Komplexität unseres Systems zu entschlacken, den juristischen und Vorschriften-Dschungel zu lichten. Das geht nur mit guten und mutigen Leuten, und die sind für politische Ämter immer schwieriger zu finden – oder gar nicht. Zudem müssen Mehrheitsentscheide akzeptiert und nicht alles und jedes endlos diskutiert werden. Das führt zu Politikverdrossenheit. Wenn wir eine Stimmbeteiligung von 30 Prozent haben, ist die Freude gross. Das kann doch nicht sein; es sollten 80 Prozent sein. Derzeit werden wir von einer dominanten Minderheit bestimmt.

Nach dem fulminanten Start 2009 verlief die letzte Wahl 2013 enttäuschend. Sie erzielten das schlechteste Resultat der fünf Kandidierenden. Mit Ralf Dörig und Urs Emch überflügelten Sie sogar zwei Neue.
Gemeindepräsidenten haben selten das beste Ergebnis. Sie sind diejenigen, die vorne stehen und auch Unangenehmes erklären müssen. Das Projekt einer Natelantenne in Kindhausen wurde mir von Vielen übelgenommen. Dabei gab es Beschwerden wegen des Empfangs. Die Swisscom präsentierte ein Projekt mit Baueingabe. Als das Profil der 30 Meter hohen Antenne aufgestellt wurde, war die Hölle los. Man gab mir die Schuld, obwohl wir das Projekt zurückzogen.
Aber man darf sich auch nicht wählen lassen mit dem Ziel, beim zweiten Mal das beste Wahlergebnis zu bekommen.
Wer nicht aneckt, der macht offensichtlich zu wenig Markantes.

Häufig sieht die Bevölkerung die Ineffizienz aber aufseiten der Politik.
Es gibt leider diese Tendenz, sich nach allen Seiten abzusichern. Viele Politiker, aber auch Wirtschaftsführer halten sich vermehrt an die Devise: Um Gottes willen keinen Fehler machen. Lieber nichts Revolutionäres zu machen und unangenehme Geschäfte auszusitzen, bringt uns aber nicht weiter. Dieser Druck kommt aus der von einigen falsch verstandenen Demokratie. Es ist einfach, der Politik Ineffizienz vorzuwerfen, selbst aber zur Verbesserung wenig beizutragen beziehungsweise mit immer neuen Einsprachen Abläufe bewusst zu verlangsamen.

Die negative Gemeinderechnung für 2016 war ein Novum in Ihrer Amtszeit. Wie sehr schmerzt es Sie als Finanzfachmann, dass Sie mit diesem Abschluss das Amt verlassen?
Es ist unschön, aber genauso erklärbar, wie die riesigen Gewinne während der letzten Jahre. Das negative Ergebnis kommt vor allem durch die Sonderabschreibung wegen der Sanierung des Schulhauses zustande. Mit unserem Steuerfuss von 87 Prozent liegen wir an dreizehnter Stelle von über 200 Gemeinden im Kanton. Das ist sehr attraktiv. Die Aufwendungen steigen aber leider mehr als der Steuerertrag. Die unbeeinflussbaren Ausgaben, grösstenteils Abgaben an den Kanton, machen über 80 Prozent der Gesamtausgaben aus.

Hätte man nicht frühzeitig gegensteuern können?
Wir wollten schon vor Jahren am Schlittental attraktives Bauland für gute Steuerzahler einzonen. Das hat der Kanton abgelehnt. Also woher soll das Geld kommen? Und zu den steigenden Abgaben kommt jetzt noch der neue Finanzausgleich, der unsere Gemeinde prozentual so hart trifft, wie nur ganz wenige im Kanton. Bergdietikon bezahlt aufgrund der neuen Berechnung ab 2018 mit gut 1,35 Millionen Franken knapp 30 Prozent mehr als im 2017. Die Zahlungen erhöhen sich danach stufenweise über vier Jahre auf – aus heutiger Sicht gerechnet – über zwei Millionen Franken. Unser in fast jeglicher Hinsicht sehr hohes Niveau kostet viel Geld.

Zur Person

Gerhart Isler (67), dessen Mutter Deutsche ist, schaffte 2009 als Parteiloser als Kandidat des gerade neu gegründeten Bürger-Forums bei den Gesamterneuerungswahlen den Sprung in den Bergdietiker Gemeinderat. In der Folge wurde er als einziger Kandidat in stiller Wahl zum Gemeindeammann gewählt. Isler löste Paul Meier (FDP) ab, der die Wiederwahl in die Exekutive verpasst hatte. Der studierte Wirtschaftswissenschafter Isler war unter anderem Verleger einer Finanzzeitschrift. Heute ist er Mitglied mehrerer Verwaltungsräte, kümmert sich um seine Liegenschaften und um Immobilienfinanzierung.
Er wohnt seit 1992 in Bergdietikon. Mit seiner Partnerin hat er eine kleine Tochter und aus erster Ehe zwei weitere erwachsene Töchter; mittlerweile gehören auch drei Enkelkinder zur Familie.
Früher fuhr er gern Skirennen und fährt «immer noch zügig», wie er selbst sagt. Er steigt gerne aufs Velo, hält aber nichts von E-Bikes: «Ich trete noch selbst.» Gern arbeitet Isler mit seinen Händen, mit Holz und Metall, mit dem Schweissgerät oder der Kettensäge. Viele Tiere gehören zu seinem Haushalt: Esel, Ziegen, Hunde und Katzen.

Limmattaler Zeitung vom 16. September 2017 (Gabriele Heigl)

Bekanntmachungen

Rentenberatung Deutschland/Schweiz
Länderübergreifende Beratung zu Rentenbezügen > mehr...

Gesamterneuerungswahlen 2018/2021
Die Bergdietiker Stimmberechtigten haben Ralf Dörig als Gemeindeammann und Urs Emch als Vizeammann für die Amtsperiode 2018/2021 gewählt. > mehr...

Wahlresultate
Die Bergdietiker Stimmberechtigten haben Ralf Dörig als Gemeindeammann und Urs Emch als Vizeammann für die Amtsperiode 2018/2021 gewählt. > mehr...

Alterszentrums-Stopp aufgehoben
Das Verwaltungsgericht wies die von einem Einwohner betreffend erhobene Beschwerde vollumfänglich ab. > mehr...

Implenia baut Sammelstelle
Der Auftrag für die Tiefbauarbeiten der Unterflursammelstelle Bernetstrasse wurde vergeben. > mehr...

Betreuung von Asylsuchenden durch Externe
Monika Huwiler wird Ende Jahr pensioniert. Abgelöst wird sie durch eine externe Firma. > mehr...

Leiterin Stv. nimmt den Hut
Nina Luceri verlässt die Abteilung Steuern per Ende 2017. > mehr...

> alle Bekanntmachungen
 

Veranstaltungen

http://www.bergdietikon.ch/pages/aktuelles/aktuelles_ez.php