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25.01.2010
 
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Der Golfpark als Umweltprojekt

 
Golfplätze sind bloss einer elitären Minderheit vorbehalten, während der Rest der Bevölkerung die Kinder sind, die sich die Nase an der Schaufensterscheibe einer Konditorei plattdrücken: Mit Vorwürfen wie diesem sieht sich Urs Auf der Maur, Mitinitiant des geplanten Golfparks Herrenberg in Bergdietikon, immer wieder konfrontiert.

«Man hat den Eindruck, auf dem Herrenberg entstehe eine Art Refugium für Golfer», sagt Auf der Maur, der mit seiner Familie selber in Bergdietikon wohnt. Dabei gehe es in keiner Weise darum, der Bevölkerung das Naherholungsgebiet zu entziehen, wie oft befürchtet werde. «Das bestehende Wegnetz wird für Velofahrer, Spaziergänger, Jogger und Hundehalter weiterhin vollumfänglich benutzbar sein», betont Auf der Maur: «Teilweise wird es sogar erweitert.»

Immer wieder werde er gefragt, ob man denn noch ohne Gefahr spazieren könne, so Auf der Maur. Dies sei jedoch einer der Gründe, wieso man einen Golfpark und nicht bloss einen Golfplatz plane, denn die Grösse des Gebietes ermögliche Sicherheit. Auf den Gehwegen bestehe nicht die geringste Gefahr: «Helm und Kugelsichere Weste sind nicht nötig», lacht er. Auch ermöglichten die weit auseinander gelegenen Spielbahnen den Verzicht auf Netze, welche bei kompakteren Anlagen für die Sicherheit eingesetzt würden, jedoch «katastrophal» für Tiere wie Vögel oder Hasen seien. Man wolle den Golfpark in die bestehende Flora und Fauna einbetten. Diese werde dadurch ökologisch sogar noch aufgewertet, betont Auf der Maur.

Zu diesem Zweck hat die Golfpark Herrenberg AG im November 2009 eigens eine Zusammenarbeitsvereinbarung mit vier Umweltorganisationen unterschrieben: Den Aargauer Sektionen des WWF, Pro Natura und Bird Life sowie der Naturschutzgruppe Bergdietikon. Tatsächlich scheinen die Bemühungen im Bereich Ökologie nicht nur eine PR-Massnahme zu sein, wie Johannes Jenny, Geschäftsführer der Pro Natura Aargau, bekräftigt. «Wir konnten das Projekt seit den ersten Anfängen begleiten, was ideal ist», sagt Jenny. Eine derart enge Zusammenarbeit sei bei Golfplätzen sonst nicht üblich, obwohl Pro Natura auch schon ökologische Aspekte anderer Golfplätze beurteilt hätte. Doch: «Dass ein Golfplatzbetreiber unsere Anliegen derart in ein Projekt eingebunden hat, das haben wir noch nie erlebt.»

Es freue ihn natürlich, dass alle Inputs der Pro Natura auch aufgenommen worden seien, sagt Jenny. So würden beispielsweise die Waldränder auf dem 93 Hektaren grossen Gebiet aufgewertet, indem die Übergänge von Wald zur restlichen Landschaft weniger abrupt gestaltet würden: «So werden die beiden Lebensräume besser miteinander verbunden, wovon viele Organismen profitieren können.» Solche Waldsäume böten begehrte Nistplätze für Vögel und mehr Licht für den Boden.

Sehr positiv werte er auch, so Jenny, dass viele Obstbäume angepflanzt würden, wobei man sich im Sinne der Biodiversität für seltenere Pro-Specie-Rara-Sorten entschieden habe. Während eine Intensivlandwirtschaft auf dem Herrenberg der Natur gar nicht dienlich sei, stellten die angestrebten Massnahmen eine starke Aufwertung der Natur dar, ist Jenny überzeugt.

Ebenfalls «viele Vorteile in ökologischer Hinsicht» sieht Anita Weibel, Präsidentin der Naturschutzgruppe Bergdietikon, im Projekt Golfpark. Auch sie begleitet die Planung seit den Anfängen. Bereits im November 2007 schrieb Weibel an Gemeinde und Golfer und betonte, dass den Bauern das erste Wort zum Projekt gegeben werden müsse. «Wenn ein Bauer sein Land bestellen will, dann hat das erste Priorität. Doch ich habe mir gesagt: Wenn die Bauern ihr Land wirklich für den Golfpark hergeben wollen, dann möchte ich mich auf jeden Fall für ein möglichst nachhaltiges Projekt einsetzen», erinnert sie sich. So habe sie unzählige Begehungen des Geländes gemacht, sowohl allein als auch mit anderen Personen von Umweltorganisa- tionen, und danach «eine riesige Liste» mit ökologischen Wünschen zusammengestellt – welche alle berücksichtigt würden, erzählt Weibel.

Enorm wichtig sei ihr zum Beispiel die Erhaltung der Magerwiese beim Galgenrain, welche gerade für Vögel und Schmetterlinge «Gold wert» sei. Sehr positiv sei auch, dass viele neue Kleinstrukturen, Lesestein- oder Holzhaufen für Eidechsen oder Mauswiesel geplant seien.

Speziell freue sie sich ausserdem über die geplante Renaturierung der Bäche, welche bisher in Röhren gedrängt wurden, so Weibel. «Die Bauern hatten hier natürlich andere Prioritäten, was ich gut verstehe.» Doch sei es fantastisch, dass man nun die Bäche wieder freilegen könne. «Ökologisch gesehen überwiegen unter dem Strich die Vorteile», findet Weibel, die das Gebiet auch privat oft und gern für Spaziergänge nutzt. Ein Fragezeichen mache sie jedoch bei der Bewässerung. Auf der negativen Seite führt sie ausserdem die voraussichtliche Zunahme des Verkehrs auf.


Verkehrssituation
Damit steht Weibel nicht allein da. Eine störende Zunahme des Verkehrs durch den neuen Golfpark scheint die offensichtlichste Bedrohung für viele Einwohnerinnen und Einwohner zu sein, wie zum Beispiel ein Leserbrief der Bergdietikerin Regula Stauber an diese Zeitung zeigt.

Darin befürchtet Stauber nebst Lärmimmissionen vor allem eine bedeutende Zunahme des Verkehrs. «Wir nehmen diese Bedenken ernst», sagt dazu Urs Auf der Maur und verweist auf Berechnungen in der vom Kanton abgenommenen Umweltverträglichkeitsprüfung des zusätzlichen Verkehrs im Extremfall, welche auch auf der Website des Golfparks publiziert sind. Gemäss den Initianten würde ein langer Sommertag bei 100-prozentiger Auslastung des Golfplatzes im – aus ökologischer Sicht gesehenen – schlimmsten Fall rund 500 zusätzliche Fahrten auf der Kantonsstrasse zwischen Dietikon und Widen produzieren, während die durchschnittliche Verkehrsfrequenz an Werktagen rund 4'500 Fahrten beträgt. Dies bezeichnet Auf der Maur als verantwortbar, während er betont, dass die effektiven Fahrten an durchschnittlichen Tagen um die Hälfte tiefer lägen, also bei etwa 250 Fahrten.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich ein Golfplatz im Limmattal gegen kritische Stimmen wehren muss. Der Unterengstringer Golfplatz musste jahrelang um Bewilligungen ringen, gegen einen Rekurs kämpfen und unzählige Instanzen durchlaufen, bevor er im Juni 2002 seine Tore öffnen konnte. Um die beträchtlichen Auflagen des Kantons zu erfüllen, wurde unter anderem ebenfalls ein Umweltverträglichkeitsbericht erstellt.

Quelle: Limmattaler Zeitung vom 24. Januar 2010


Weitere Informationen zum geplanten Golfpark:
Artikel über die Mitwirkung vom 12. August 2009
Artikel der Informationsveranstaltung vom 15. August 2009
Artikel über die öffentliche Auflage vom 15. Januar 2010
 
 

http://www.bergdietikon.ch/pages/aktuelles/aktuelles_ez.php

 




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