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Der Weg des Wassers

Bergdietikon, 2026 – Wasser kommt bei uns scheinbar selbstverständlich aus dem Hahn. Und im Ernstfall muss es auch dort zur Verfügung stehen, wo die Feuerwehr es dringend braucht. Doch damit Trink- oder Löschwasser in ausreichender Menge am richtigen Ort ankommt, braucht es ein komplexes Zusammenspiel von Quellen, Pumpwerken, Reservoirs, Leitungen, Technik und Menschen.

Bild: zVg

Wie dieses Zusammenspiel funktioniert und welche Bedeutung die Wasserversorgung gerade in der aktuellen Hitzeperiode hat, zeigte die diesjährige gemeinsame Offiziersübung, organisiert durch die Feuerwehr Bergdietikon. Unter dem Titel «Der Weg des Wassers» beschäftigten sich am Dienstag, 11. August 2026, die Offiziere der Feuerwehr Bergdietikon und verschiedener Feuerwehren rund um Wettingen mit einem Thema, das weit über den Feuerwehrdienst hinausgeht. Denn Wasser ist nicht nur eines der wichtigsten Einsatzmittel der Feuerwehr. Es ist unser Lebensnerv.

Wasser – aktuell besonders gefordert

Die derzeitige Hitzeperiode macht deutlich, wie wertvoll und verletzlich unsere Wasserressourcen sind. Normalerweise stammen rund 30 bis 40 Prozent des Bergdietiker Wassers aus den eigenen Quellen. Weitere rund 40 Prozent können aus dem Grundwasserpumpwerk an der Holenstrasse gefördert werden. Der Rest wird von der Wasserversorgung Dietikon und zu einem kleinen Teil vom Wasserverbund Mutschellen bezogen.

Doch die anhaltende Trockenheit hinterlässt deutliche Spuren. Die beiden Quellen im Gebiet Egelsee liefern normalerweise zusammen rund 52'000 m³ Wasser pro Jahr (140 m³ pro Tag). Aktuell beträgt ihre tägliche Liefermenge jedoch nur noch rund 60 m³. Die Quellfassung Rossweid ist derzeit sogar ausgetrocknet. Auch das Grundwasserpumpwerk Holenstrasse liefert momentan nicht mehr die volle Menge.

Gleichzeitig ist der Wasserverbrauch deutlich angestiegen. Aktuell werden in Bergdietikon täglich rund 1'000 m³ Wasser verbraucht – etwa doppelt so viel wie im langjährigen Durchschnitt. Deshalb müssen momentan täglich 700 bis 800 m³ Wasser von der Wasserversorgung Dietikon bezogen werden.

Diese Zahlen machen deutlich: Wasser ist keine unerschöpfliche Selbstverständlichkeit. Gerade jetzt lohnt sich deshalb ein Blick darauf, woher unser Wasser kommt, wie es verteilt wird und wie viel Arbeit notwendig ist, damit es jederzeit in ausreichender Menge und einwandfreier Qualität zur Verfügung steht.

Der Weg des Wassers

Genau diesen Weg konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Offiziersübung kennenlernen. Mit dabei waren zahlreiche Offiziere der umliegenden Feuerwehren. Verstärkt wurde das eigene Offiziersteam durch den Brunnenmeister Martin Bräm mit seinem Team.

Die Übung startete beim Feuerwehrdepot Bergdietikon mit der Begrüssung durch Stefan Brandenburger, Kommandant der Feuerwehr Bergdietikon. Anschliessend ging es an verschiedene Standorte im Gemeindegebiet. Insgesamt erwarteten die Teilnehmenden vier Posten, an denen unterschiedliche Aspekte rund um Wasser, Wasserversorgung und Feuerwehr behandelt wurden. Dabei wurde schnell klar: Zwischen der Wasserfassung und dem Hydranten liegen einige Stationen.

Eine komplexe Infrastruktur

Die Wasserzentrale im Werkhof steuert das gesamte Netz. Von dort aus wird dafür gesorgt, dass immer die notwendige Menge Wasser in den Reservoirs vorhanden ist. Förderanlagen pumpen das Wasser in die verschiedenen Druckzonen und damit förmlich den Berg hinauf.

Das Bergdietiker Leitungsnetz ist in vier Zonen aufgeteilt: die Dorfzone mit Industrie und Baltenschwil, die Mittelzone mit Bernold, die Hochzone mit Kindhausen sowie die Zone Hasenberg mit dem oberen Schönenberg. Der tiefste Punkt des Netzes liegt beim Pumpwerk Grunschen an der Grenze zu Dietikon auf 404 Metern über Meer. Der höchste Punkt ist das Reservoir Hasenberg auf 750 Metern über Meer, das sich auf Widener Boden befindet und durch Widen bewirtschaftet wird.

Martin Bräm vermittelte den Feuerwehrleuten viele Details über dieses komplexe Netz. Einmal monatlich ist der Brunnenmeister auf Rundgang. Sämtliche wassertechnischen Anlagen müssen regelmässig kontrolliert werden. Zur Wasserversorgung gehören ausserdem die Kontrolle der Reservoirs und Pumpstationen sowie die Prüfung des gesamten Hydrantennetzes mit rund 200 Hydranten.

Für die Feuerwehr ist dieses Wissen von grosser Bedeutung. Im Einsatz muss nicht nur bekannt sein, wo ein Hydrant steht. Entscheidend ist auch, woher das Wasser kommt, wie das Netz aufgebaut ist und welche Möglichkeiten und Grenzen die Infrastruktur hat.

Quellen, Pumpwerke und Reservoirs

Ein Posten führte die Gruppen zu den Quellen im Gebiet Egelsee. Die Quellfassung Risi mit drei Strängen liefert durchschnittlich rund 20 Liter pro Minute. Das entspricht einer Jahresleistung von rund 10'000 m³. Unweit davon liegt die Quellfassung Chaltbrunne mit einem Strang. Sie liefert durchschnittlich rund 80 Liter pro Minute und damit gut 42'000 m³ pro Jahr.

Beide Quellen liefern ganzjährig Wasser. Das Einzugsgebiet im Wald ist gleichmässig feucht und fern von zivilisatorischen Einflüssen. Doch auch diese Quellen sind von der aktuellen Trockenheit betroffen.

Weiter ging es zum Reservoir Kelle, das gerade modernisiert wurde, um auch künftig den Anforderungen zu entsprechen. Mit einer Speicherkapazität von insgesamt 400 m³, aufgeteilt auf zwei Becken, verbindet es die Zone Kindhausen mit der Zone Bernold. Gleichzeitig ist dort ein Stufenpumpwerk integriert.

Beim Quellwasser-Pumpwerk Rossweid wurde ein weiterer Teil des Weges sichtbar. Das Pumpwerk befindet sich bei der Fusswegkreuzung Egelsee und Samichlausplatz. Seine wichtigste Aufgabe ist das Sammeln, Desinfizieren und Weiterbefördern des Quellwassers. Integriert ist zudem ein Quellwasserbecken mit rund 74 m³.

Trinkwasser ist Teamarbeit

Wasserhahn auf – und klares Trinkwasser fliesst. Für uns gehört das zum Alltag: Wasser für den Kaffee am Morgen, zum Kochen, Duschen und Trinken. Dass dies jederzeit möglich ist, ist alles andere als selbstverständlich. Unser Wasser stammt aus verschiedenen Quellen und Grundwasservorkommen in Bergdietikon. Zusätzlich wird bei Bedarf Wasser von Dietikon und vom Wasserverbund Mutschellen bezogen. Vor der Einspeisung ins Leitungsnetz wird das Trinkwasser mittels UV-Anlage behandelt.

Die Qualität wird periodisch kontrolliert und entspricht den chemischen und mikrobiologischen Anforderungen der Lebensmittelgesetzgebung. Die Gesamthärte liegt bei 30 bis 34 °fH, das Wasser ist damit als ziemlich hart bis hart einzustufen. Der Nitratgehalt beträgt 16 mg/l bei einem Toleranzwert von 40 mg/l.

Hinter dieser Selbstverständlichkeit steht ein ganzes Team rund um den Brunnenmeister. Es sorgt dafür, dass Anlagen funktionieren, Wasser gefördert und verteilt wird und die Qualität stimmt.

Wasserversorgung und Feuerwehr

Für die Feuerwehr ist die Wasserversorgung eine zentrale Voraussetzung für erfolgreiche Einsätze. Wasser ist eines der wichtigsten Einsatzmittel – und die Feuerwehr muss sich darauf verlassen können, dass es im entscheidenden Moment verfügbar ist.

Gleichzeitig wurde an der Übung deutlich, wie eng Feuerwehr und Wasserversorgung miteinander verbunden sind. Gemeinsame Übungen schaffen nicht nur technisches Verständnis, sondern fördern auch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Einsatzorganisationen und den Verantwortlichen der Gemeinde.

Gerade weil Feuerwehreinsätze nicht an Gemeindegrenzen Halt machen, ist es wichtig, dass sich die verschiedenen Führungskräfte kennen, ihre Abläufe verstehen und sich aufeinander verlassen können. Die gemeinsame Übung mit den Feuerwehren aus der Region bot dafür eine ideale Gelegenheit.

Besonders erfreulich war die Teilnahme von Ralf Dörig, Gemeindeammann und Ressortverantwortlicher Feuerwehr, sowie Urs Emch, Vizeammann und verantwortlich für Bau und Planung. Zu diesem Ressort gehört auch die Wasserversorgung.

Vier Gruppen – vier Wege

Damit alle Teilnehmenden die verschiedenen Bereiche kennen lernen konnten, absolvierten vier Gruppen die Posten in unterschiedlicher Reihenfolge. Die «Wasserspürhunde» starteten beispielsweise bei der Leitwarte, die «Quellenstürmer» beim Reservoir Kelle. Die «Fliess-Richter» begannen beim Quellwasser-Pumpwerk Rossweid und die «Druck-Macher» bei der Leitwarte.

Die abwechslungsreichen Posten verbanden Theorie und Praxis und machten sichtbar, wie viele einzelne Schritte notwendig sind, bis Wasser dort ankommt, wo es gebraucht wird.

Wasser sorgsam nutzen

Die Übung zeigte aber nicht nur die technische Seite der Wasserversorgung. Wasserressourcen stehen zunehmend unter Druck: Siedlungsdruck, Strassen, Landwirtschaft, Trockenheit und Hochwasser können die Wasserqualität und die Verfügbarkeit beeinflussen.

Die Wasserversorgung hat den Auftrag, jederzeit genügend Wasser in einwandfreier Qualität zu liefern. Dafür braucht es unter anderem Schutzzonen, regelmässige Umwälzung des Wassers, Desinfektion mit einer UV-Anlage sowie laufenden Unterhalt und Überwachung.

Doch auch die Bevölkerung trägt Verantwortung. Ein sorgsamer Umgang mit Wasser ist nicht nur während einer aussergewöhnlichen Hitzeperiode wichtig, sondern generell.

Gerade im Garten lässt sich manches mit einfachen Massnahmen verbessern. Hitzetolerante Bepflanzungen können helfen, den Wasserbedarf zu reduzieren. Und braune Flecken im Rasen während des Hochsommers mögen zwar nicht jedem gefallen – sie schonen aber die Wasserressourcen.

Auch die Kameradschaft gehört dazu

Bei aller Technik, allen Zahlen und aktuellen Herausforderungen durfte an der Offiziersübung auch die Kameradschaft nicht zu kurz kommen. Einer der vier Posten war deshalb als Apéro gestaltet. Der «Suure Moscht» von Peyer aus Bernold erwies sich bei den sommerlichen Temperaturen als Renner.

Nach dem Durchlaufen aller vier Posten trafen sich die Gruppen wieder beim Feuerwehrdepot zur gemeinsamen Schlussbesprechung. Die Übung bot Gelegenheit, Wissen aufzufrischen, sich intensiv mit den örtlichen Gegebenheiten auseinanderzusetzen und die Zusammenarbeit innerhalb der verschiedenen Gruppen zu stärken.

Wasser ist unser Lebensnerv

Die Offiziersübung «Der Weg des Wassers» hat damit einen Blick hinter eine Selbstverständlichkeit ermöglicht, die im Alltag kaum wahrgenommen wird: Wasser ist jederzeit da – bis es plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist. Die aktuelle Hitzeperiode zeigt eindrücklich, wie wichtig eine gut funktionierende Wasserversorgung, eine sorgfältig unterhaltene Infrastruktur und ein verantwortungsvoller Umgang mit der Ressource sind.

Und wenn die Feuerwehr im Ernstfall einen Hydranten öffnet, beginnt auch dieser Weg des Wassers nicht erst beim Einsatzort. Er beginnt bei den Quellen, beim Grundwasser, in den Pumpwerken und Reservoirs – und bei den Menschen, die dafür sorgen, dass das System funktioniert.

Der Dank gilt deshalb nicht nur den Organisatoren der Offiziersübung und den beteiligten Feuerwehren, sondern ebenso dem Team der Wasserversorgung rund um Martin Bräm und dem verantwortlichen Gemeinderat Urs Emch. Sie alle leisten einen wichtigen Beitrag dafür, dass Bergdietikon auch in aussergewöhnlichen Zeiten über gutes Trinkwasser und im Ernstfall über ausreichendes Löschwasser verfügt.

Gemeinsam für unsere Sicherheit – und gemeinsam für unser Wasser.

Redaktion
Werni Weibel