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19. Dezember 2016

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Im ehemaligen Kloster kam die Eingebung

Die reformierte Kirche in Bergdietikon macht einen eher nchternen Eindruck – damit nicht zu viel von den Worten des Herrn ablenkt. «Meine Berufung ist die Verkndigung des Evangeliums», sagt der 25-jhrige Vikar Raffael Sommerhalder. Sein Beruf zwinge ihn, kritisch zu bleiben und zu fragen, was zum Evangelium gehre und was nicht. Das heisse auch, den Zeitgeist nicht einfach bedingungslos gutzuheissen, sondern ihn immer wieder zu hinterfragen. Dass der Zeitgeist nicht zwingend dem Evangelium entspreche, habe das letzte Jahrhundert Europas gezeigt, so Sommerhalder.

Als angehender Pfarrer versuche er, seiner Gemeinde die Perspektive von Glauben, Hoffnung und Liebe aufzuzeigen. «Whrend meines Theologiestudiums an den Universitten Zrich und Claremont habe ich eine grosse Bandbreite an theologischen Meinungen kennen gelernt», sagt der Vikar aus dem Aargau. Darber, wie sich die Vorstellungen von einem gottgeflligen Leben gewandelt haben und wie die Bibel verstanden werden kann, spreche man ebenfalls in seiner Ausbildung. «Die Worte in der Bibel an sich sind symbolisch. Als Theologe implementiere ich sie im konkreten Alltag der Leute», sagt er.

Als Sohn einer reformierten Mutter und eines katholischen Vaters wurde Sommerhalder vor allem christlich erzogen. Seine Grosseltern mtterlicherseits seien sehr fromm und htten ihn im Glauben nachhaltig geprgt. Der Grossvater wollte ursprnglich Pfarrer werden. Doch dessen Vater verlor durch eine Brgschaft viel Geld, sodass der Sohn schliesslich als Oberrichter sein Brot verdiente. Trotzdem grndete der Grossvater zusammen mit seiner Frau eine Bibelgruppe in der Nachbarschaft. Als Kind in der Warum-Frage-Zeit konnte Sommerhalder ihnen viele Fragen zur Bibel, zum Glauben und zu Gott stellen.

Schner Innenhof als Paradies

«Die Geschichte der Sturmstillung hat mich sehr beeindruckt als Kind», erinnert er sich. Jesus Christus schlief mitten auf einem See im Boot ein, whrend seine Jnger wach blieben. Als ein Sturm aufkam, weckten sie ihn. Jesus stillte den Sturm, sagte aber auch, dass man ihn nicht htte wecken mssen, wenn man Vertrauen in ihn gehabt htte. Die Geschichte stehe auch symbolisch fr ein Grundvertrauen im Leben, dass es gut kommt, erklrt Sommerhalder, der im ehemaligen Kloster Wettingen ins Gymnasium ging. Im Gymnasium reifte auch sein Entschluss, Theologie zu studieren. Viel Zeit hat er im Kreuzgang des Klosters verbracht. Der Kreuzgang ist der schne Innenhof des Klosters, der das Paradies symbolisiert. Dort hat Sommerhalder jeweils seine Anliegen mit Gott besprochen und ber das Leben nachgedacht. «Whrend einer meiner Spaziergnge im Kreuzgang wurde mir auf einmal bewusst, Theologie muss mein Leben sein», erzhlt Sommerhalder. Dass dieser Berufswunsch nicht cool sei, habe er an den Reaktionen seiner Mitschler gemerkt. Doch er folgte seiner Berufung.

Limmattaler Zeitung vom Samstag, 17. Dezember 2016 (Ly Vuong)

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