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Aktuelles: Bericht

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20. Mrz 2017

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Dank Karate geht sie selbstbewusst durchs Leben

Ein Mdchenzimmer. Mittendrin auf einer Staffelei steht ein Bild, an dem offensichtlich noch gearbeitet wird. Auf dem Gestell ber dem Bett reihen sich Pokale und Auszeichnungen. Daneben liegen Karategrtel in allen Farben. «Man muss an sich glauben», sagt die 13-jhrige Libby Gavish aus Bergdietikon und zeigt stolz den Pokal, den sie in Berlin gewonnen hat. Seit Juni letzten Jahres ist sie Karate-Vizeweltmeisterin im Leichtgewicht in der Altersklasse 12-/13-jhrige Mdchen.

«Meine Karatelehrer glaubten nicht so recht an mich», erzhlt sie mit einem verschmitzten Lcheln, denn damals habe sie erst den violetten Grtel getragen. «Sie sagten, der Wettkampf in Berlin werde eine erste Erfahrung fr mich werden. Das war mir Ansporn, alles zu geben.» Dass sie Vizeweltmeisterin wurde, konnte sie im ersten Moment gar nicht glauben. «Ich stand nur da und war geschockt», erinnert sie sich. Die ganze Familie habe sie nach Berlin begleitet und tchtig angefeuert. «Am Abend waren dann alle heiser.» Dass sie hinter Libby stehen, kommt nicht von ungefhr. Bruder Eytan, Schwester Shiril und Mutter Deborah – sie alle trainieren Karate und nehmen gemeinsam an Karatewochenenden teil. «Meine Mutter ist mein Coach», sagt Libby. «Sie weiss, wie es richtig aussehen msste, aber nicht, wie es umzusetzen ist. Das tue ich dann fr sie.» Dank frheren Ballettstunden und Training im Eiskunstlauf ist Libby beweglich und schnell. Das kommt ihr beim Kampfsport zugute. «Meine Karatelehrer loben mich fr meinen eleganten Stil, aber sie sagen auch, dass ich ruhig etwas mehr Kraft einsetzen drfe.»

Mit Musik gegen Lampenfieber

Wenn Libby heute das Video von der Weltmeisterschaft in Berlin betrachtet, berkommt sie wieder die Nervositt von damals. «Vor Wettkmpfen habe ich extremes Lampenfieber», gesteht sie. Ganz rot wrden ihre Ohren, ihre Stimme versage und die Beine zitterten. «In Berlin schauten so viele Leute zu. Das ganze Schweizer Team rief meinen Namen, immer und immer wieder. Der Wettkampf wurde live ausgestrahlt. Ich war schon sehr nervs. Aber ich habe gelernt, mit Druck umzugehen. Ich nehme ihn als Gegner an, und das gibt mir Kraft.» Musik hren, die Augen schliessen, einen Liedtext murmeln, das hilft Libby gegen das Lampenfieber. Und vor grossen Turnieren betet sie zu Gott, dass er ihr Glck bringt. «Gott ist fr mich berall. Ich spreche mit ihm, das beruhigt mich.»

Heute hat Libby den zweiten von drei Graden des braunen Grtels erreicht. Natrlich ist ihr Ziel der erste schwarze Grtel, der nach dem Meistern des braunen folgt. Aber das kann noch eine Weile dauern, meint sie.
Auch ihre Teilnahme an der Europameisterschaft im Oktober in Estland ist noch nicht gesichert, denn zurzeit trgt Libby einen Arm im Gips. Nicht im Karate habe sie sich verletzt, sondern beim Snowboarden, lacht sie. «Karate ist viel weniger gefhrlich.» Der Unfall zwingt sie, mit dem Training zu pausieren. Es fllt schwer zu glauben, dass sich die ehrgeizige Vizeweltmeisterin von einem Gips bremsen lassen wird.

Furchteinflssender als die Lehrerin

Begonnen hat die sportliche Karriere der 13-Jhrigen vor drei Jahren. Weil ihr Bruder Eytan mit Karate begann, versuchte auch sie sich in dieser Sportart. «Im Kindergarten war ich ein scheues Mdchen, das immer gleich zu weinen begann. Karate hat mir geholfen, selbstbewusst durchs Leben zu gehen. Ich weiss, dass ich mich nicht verstecken und vor niemandem Angst haben muss. Heute sagen meine Schulkollegen im Scherz, vor Libby haben wir mehr Angst als vor der Lehrerin.» Das belustigt die 13-Jhrige: «Nur weil ich Karate kann, bin ich kein Mdchen, das prgelt und schlgt. Ich kann auch tanzen und Schlittschuh laufen, das ist meine andere Seite.» Und berhaupt habe Karate nichts mit Prgeln zu tun. Es gehe um Technik und Schnelligkeit.

Das zierliche Mdchen mit dem wilden Lockenkopf weiss, was sie will, und sagt von sich selber: «Ich bin eine Perfektionistin.» Darum trainiert sie mehrmals pro Woche und lernt oft bis spt in die Nacht fr die Schule, denn auch dort ist sie nur mit den besten Noten zufrieden. «Meine Lehrer sagen oft zu mir: Sei doch zufrieden, wenn du eine Fnf erreichst. Aber ich will immer mein Bestes geben, und wenn ich mehr lernen knnte, dann tue ich das auch.» Fr Libby gibt es keine halben Sachen und aufgeben, weil sie etwas nicht kann, das kommt fr sie berhaupt nicht infrage. «Man muss an sich glauben», sagt sie. Libby hat viele Talente und lsst keines verkmmern. Sie singt, sie malt, sie spielt Theater. Ein Lied hat sie geschrieben und auch schon einen kurzen Fernsehauftritt in der SRF-Satiresendung «Deville Late Night» hinter sich. Was sie einmal werden mchte, ist aber eine Frage, die sie nicht beantworten kann. «Das lasse ich auf mich zukommen, ich habe noch keinen Plan, aber sicher alle Chancen.»

Limmattaler Zeitung vom 18. Mrz 2017 (Franziska Schdel)

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