Navigieren in Bergdietikon

Mit Leidenschaft und lecker: Ein Gruss aus der KiBe-Küche

Unser neuer Küchenchef ist bereits weit in der Welt herumgekommen und freut sich sehr ob seiner Stelle in der KiBe Bergdietikon, ist die Arbeit mit den Kindern für Felix doch eine Herzensangelegenheit. Und mit seinem Füllhorn an Ideen schafft er es, sogar Fenchel in einen Gaumenschmaus zu verwandeln.

Bild: zVg

Seit dem 10. Februar 2025 kocht Felix täglich frisch für unsere 82 KiTa- und 165 Hort-Kinder sowie für die 43 KiBe-Mitarbeitenden – mit Leidenschaft, Geduld und einem feinen Gespür dafür, was kleine und grosse Esser mögen.

Bereits morgens um neun Uhr riecht es in der KiBe Bergdietikon nach frischem Brot und Gemüsebrühe. In der Küche steht Felix, die Kelle in der Hand. Das Radio läuft im Hintergrund, während er die Kartoffeln für das Gratin in der grossen Kippbratpfanne wendet. Mit seinem charmanten Küchenteam bereitet Felix jede Woche an die 680 Mahlzeiten zu – eine sehr beeindruckende Zahl, wie ich als leidenschaftliche Hobbyköchin finde.

Als ich Felix nach dem Mittagsservice in der KiBe treffe und wir so ins Reden und Erzählen kommen, merke ich schnell: Dieser Mann weiss, wovon er spricht, und er hat noch so viele weiteren wertvollen Erfahrungen zu teilen, als in diesen Artikel passen.

Als gelernter Koch, Kellner und eidgenössisch diplomierter Restaurateur hat er bereits in weit grösseren und bekannteren Küchen gekocht und mehrere Betriebe erfolgreich aufgebaut und geleitet: Lugano, Valbella, Jersey, St. Moritz, die Spaghetti Factory in Luzern, der Rote Turm in Baden, um nur einige seiner Stationen zu nennen. Die längste und liebste Zeit seiner Laufbahn verbrachte Felix aber bei der Arwo-Stiftung in Wettingen und Fislisbach. «Die Arbeit mit den beeinträchtigten Menschen hat mich sehr erfüllt. Eigentlich hatte ich auch schon meine Pensionierung geplant, als mir Ende letzten Jahres eine Bekannte meiner Frau die Stellenanzeige der KiBe gezeigt hat», berichtet Felix. «‹Warum eigentlich nicht?›, dachte ich mir schliesslich und habe meine Bewerbung eingereicht. Ich habe aber nie wirklich damit gerechnet, mit ü60 noch einmal eine neue Küchenleitung zu übernehmen.»

Eine Herzensangelegenheit

Die KiBe-Küche und die Arbeit mit den Kindern sind für Felix eine Herzensangelegenheit. Während wir noch über Zwiebeln im Kinderessen reden und uns einig sind, dass sie auf jeden Fall hineingehören, man sie aber einfach nicht sehen darf, erzählt mir Felix von seiner zweiten Leidenschaft: seinem Einsatz gegen Food Waste. Hier hat er bereits in der Vergangenheit tolle Projekte initiiert und begleitet und beispielsweise wöchentlich an die 600 kg Tomaten gerettet, die es sich erlaubt hatten, nicht grossverteilerkonform zu wachsen. Felix hat sie mit seinen Schützlingen kurzerhand in leckeren Sugo verwandelt und unter dem Label der Arwo vertrieben.

«In der KiBe führe ich diese Philosophie im Kleinen weiter: ‹Leaf to Root›* und ‹Nose to Tail›**, sozusagen. Dazu habe ich erst neulich ein tolles Rezept mit Kohlrabi-Blättern entdeckt, die ähnlich wie Spinat zubereitet werden können. Das möchte ich bald einmal ausprobieren. Ich bin sehr gespannt, was meine kritischen Esser dazu sagen werden. Es passt auf jeden Fall perfekt in die Kategorie: ‹Felix, denkst du dir diese leckeren, fancy Gerichte immer alle selber aus?›», da ist sich Felix sicher. Ob sie dann immer noch der Meinung sind, er koche besser als ihre Mama, wird sich zeigen. ;o)

Bei «Fenchel alla Felix» ist und bleibt das definitiv so: Hier war sich die gesamte KiBe einig, ob Kinder oder Mitarbeitende: Fenchel mögen wir nicht so gerne! «Doch weit gefehlt, Fenchel auf meine Art, mit viel Liebe zubereitet und im Ofen gratiniert, wurde sehr gerne gegessen und wird auch wieder mal auf dem Menüplan stehen», verrät mir Felix noch, als wir den ersten Entwurf zu diesem Bericht besprechen. (Lieber Felix, ich würde, wenn es dann soweit ist, auch sehr sehr gerne zum Probieren kommen – darf ich?)

Wo waren wir jetzt? Ach ja, bei den tollen Rezepten und «Leaf to Root». Nicht nur das, sondern auch regional und saisonal zu kochen, ist uns in der KiBe sehr wichtig. Eingekauft wird zum Beispiel bei regionalen Anbietern wie dem Obst- und Gemüsehandel Jehle in Mellingen und der Metzgerei Köferli in Döttingen.

Viele weitere Ideen

Ich könnte noch stundenlang mit Felix über seine Ideen und Werte weiter plaudern, aber die Zeit rennt, und ich möchte ihn nicht zu lange von seinem wohlverdienten Feierabend abhalten. Für die Zukunft hat Felix noch viele spannende Ideen, die er mit seinem Team und mit und für die KiBe-Kinder umsetzen möchte. Da wäre zum Beispiel eine kulinarische Reise durch die Kulturen unserer KiBe-Kinder und Mitarbeitenden, zu der jeder sein Lieblingsrezept beitragen darf, oder eine Ferienprojektwoche «Kochen & Essen», oder, oder, oder ...

Bevor wir uns tatsächlich ins Wochenende verabschieden, frage ich ihn noch nach einer kleinen Anekdote aus seinem Alltag in der KiBe-Küche und hoffe insgeheim, er verrät mir vielleicht auch ein kleines Missgeschick. Felix muss nicht lange überlegen. «Wenn ich morgens über den Schulhof zur KiBe laufe, machen sich die Kinder gerne einen Spass mit mir und testen, ob ich ihre Namen noch weiss», erzählt er mir und schmunzelt ganz herzlich dabei. «Weisst du, Melanie, mir Namen zu merken, ist neben der Zubereitung von Süssigkeiten und Kuchen definitiv nicht meine grösste Stärke. Und dann bin ich richtig stolz auf mich, wenn ich sie nach dem zweiten oder dritten Mal nachfragen tatsächlich kenne.» Lieber Felix, meine Stärke sind Namen definitiv auch nicht, aber ich bin super gut im Kuchen und Süssigkeiten essen! ;-)

Melanie Jänicke, Mitglied des Vorstands KiBe Bergdietikon
Felix, Küchenchef KiBe Bergdietikon

* «Leaf to Root» ist ein Foodtrend gegen Lebensmittelverschwendung, bei dem auch Teile von Obst und Gemüse verkocht werden, die wir meistens wegwerfen.

** «Nose To Tail» («Von Kopf bis Schwanz») verarbeitet von einem geschlachteten Tier möglichst alle Teile.