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Vom Ortsmuseum zur Wissensplattform
Was als Ortsmuseum begann, entwickelt sich zu einer ausführlichen Wissensplattform über Bergdietikon. Sie enthält nicht nur Tausende von Texten, Bildern und Multimedia-Inhalten, sondern lässt sich auch interaktiv auf vielfältige Weise erforschen. Das Angebot wird laufend ausgebaut.
www.ortsmuseum-bergdietikon.ch
Alles begann mit dem Sammeln von alten Gebrauchsgegenständen. Mehr als 3'000 davon sind erfasst, katalogisiert und fein säuberlich in den Zivilschutzräumen der Gemeinde gelagert. Das war der Beginn einer rasanten Entwicklung. Eine wichtige Grundlage beim Start war einerseits das Buch «Grenzen überschreiten – die Aargauer Gemeinde Bergdietikon seit dem Mittelalter», erschienen im Jahr 2003, und auf der anderen Seite das grosse Fotoarchiv von Lotti Locher. Immer mehr dieser historischen Fotos wurden der damaligen Museumskommission zur Verfügung gestellt. Diese Informationen bilden auch heute noch einen wesentlichen Kern der Inhalte. Zu jedem Foto und zu jedem Gegenstand wurde ein entsprechender Text erfasst. Das Archiv umfasst im Moment mehr als 25'000 Fotos und gegen 1'000 Zeitungsausschnitte. Bald konnte auch ein Lokal für das Museum gefunden werden. Der ehemalige Vereinsraum im Gemeindehaus beherbergte die erste Ausstellung. Es folgten vielversprechende weitere Ausstellungen:
- Ausstellung «Schule» (2010)
- Ausstellung «d Chile im Dorf» (2012)
- Ausstellung «Vom Feld zum Herd» (2014)
- Ausstellung «Von Wegen, Strassen und Häusern» (2015)
- Ausstellung «Bergdietikon im Schatten des 2. Weltkriegs» (2017)
- Ausstellung «100 Jahre Pfadi Limmattal» (2019)
- Permanente Ausstellung «Grenzen überschreiten» (2024): Im Ortsmuseum im Untergeschoss des Gemeindehauses zeigt das Museum in einer Ausstellung die Geschichte von Bergdietikon. Die Ausstellung orientiert sich am Buch «Grenzen überschreiten – Die Aargauer Gemeinde Bergdietikon seit dem Mittelalter» von Patrick Zehnder. Falls Sie sich das Museum anschauen möchten, dürfen Sie gerne am Schalter der Gemeindekanzlei den Schlüssel dafür beziehen.
Digitalisierung
Doch Corona machte den Bestrebungen einen dicken Strich durch die Rechnung: Das Museum konnte während der Pandemie nur noch auf Anfrage besucht werden. Das Verhalten der Besucher veränderte sich in der Folge grundsätzlich.
Es war Zeit, sich über die Zukunft des Ortsmuseums Gedanken zu machen. Man verfügte zwar über einen grossen Fundus an Informationen – aber wie können diese Informationen sinnvoll mit den Einwohnern und anderen Interessenten geteilt werden? Wie kann der Inhalt der stark wachsenden Datenbank sinnvoll weitergegeben werden?
Die Lösung lag auf der Hand. Und so wurde die Webseite des Ortsmuseums zusammen mit Spezialisten für Künstliche Intelligenz (KI) erweitert. Nach einer Idee von Brigitte Diggelmann, Kuratorin des Ortsmuseums, entstand ein digitales, interaktives Geschichtsprojekt. Es verbindet historische Inhalte mit einer geographischen Karte, so dass man die Geschichte der Gemeinde räumlich und zeitlich nachvollziehen kann. Enthalten sind über 155 Geschichtspunkte mit mehr als 1'500 Bildern, und es kommen laufend neue Informationen dazu. Die Karte ist nicht nur statisch, sondern auch mit multimedialen Informationen, Bildern, Podcasts, Videos und Erklärungen angereichert. Das Projekt wurde durch den Gemeinderat grosszügig unterstützt.
Interaktiv
Zusätzlich zur Karte gibt es eine Geschichtskarten-App, welche die digitale Karte direkt aufs Handy oder Tablet bringt, KI-basierte Chat-Funktionen anbietet und sensorgestützte Informationen an historischen Stätten direkt vor Ort auslösen kann. Diese App wurde von der Firma ai-one entwickelt. KI ist heutzutage ein bekannter Begriff, aber was versteht man denn eigentlich unter KI und was bedeutet RAG in diesem Zusammenhang? «Retrieval-augmented Generation (RAG)» ist das Konzept, mit dem KI erstellt wird. Das ist ein Softwaresystem, das Informations- und Suchanfragen mit einem grossen Sprachmodell kombiniert. Dabei handelt es sich vereinfacht gesagt um ein Wahrscheinlichkeitsmodell, das Wort- und Satzfolge-Beziehungen aus einer Vielzahl von Textdokumenten durch einen rechenintensiven Prozess miteinander verbindet und die Resultate seinen Benutzern und auch anderen Anwendungen zur Verfügung stellt.
Chatten mit «Konrad Berg»
Wählen Sie in der Webseite des Ortsmuseums den Menüpunkt: «AI-Chat». Sie werden dann kurz in die Möglichkeiten eingeführt. Mittels KI können Sie Konrad Berg befragen, den virtuellen Experten für Bergdietikon. Hilfreich ist auch ein vorgegebener Filter, der Ihnen hilft, schnell die wesentlichen Punkte zu finden.
Neu ist auch das Archiv aller Ausgaben der Bergdietiker Ziitig. Bis ins Jahr 2012 zurück können alle Ausgaben heruntergeladen werden, und künftig wird das Online-Archiv gar bis in die Anfänge der Ziitig im Jahr 1993 zurückreichen. Selbstverständlich kennt «Konrad Berg» alle Inhalte, und Sie können ihn direkt zu allem befragen, was Sie von der Zeitung gerne gewusst hätten.
Rundgänge der Zukunft
Aber es geht weiter: CultArt, die Software-Firma hinter der Geschichtskarte, hat für Sommer/Herbst 2026 eine Erweiterung geplant. Sie wird es Ihnen ermöglichen, zum Beispiel Spaziergänge in Bergdietikon zusammenzustellen und mit den Geschichtspunkten zu verbinden. Ein Rundgang ist speziell für Neuzuzüger/innen und Entdecker/innen vorbereitet, um einen schnellen Überblick über das Dorf zu erhalten. Eine erste Version des Rundgangs ist bereits online und über die Menüleiste abrufbar.
Die Bergdietiker Ziitig wird künftig in einem kleinen Newsletter regelmässig über Neuigkeiten des Ortsmuseums berichten.
Haben Sie Fragen oder wertvolle Informationen, vielleicht alte Fotos, welche für unsere Dorfgeschichte relevant sein könnten? Sie erreichen das Ortsmuseum unter der Mail-Adresse: bd@ortsmuseum-bergdietikon.ch. Gerne schauen wir uns Ihre Schätze an.
Redaktion
Werni Weibel