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Tier des Jahres 2026 – der Igel
Als sympathischer Garten-Mitbewohner wurde der bedrohte Braunbrustigel zum diesjährigen Botschafter für den Naturschutz ernannt. Er ermuntert uns, die Biodiversität zu fördern und die Siedlungsräume naturnah zu gestalten. Schon mit wenigen einfachen Massnahmen beglücken wir nicht nur den Igel und viele weitere Tiere, sondern auch uns selbst.
Wer jetzt denkt: «Schon wieder ein Artikel über den Igel? Gehen der Naturschutzgruppe etwa die Themen aus?», dem sei geantwortet: «Ganz und gar nicht – im Gegenteil!» Es ist aber nun einmal so, dass der Igel als (Über-)Lebenskünstler, sympathischer Garten-Mitbewohner, bedrohte Tierart und ohnehin schützenswertes Wildtier immer wieder von sich reden macht und es gute Gründe gibt, warum auch wir gern in regelmässigen Abständen an ihn und sein bedrohtes Dasein erinnern.
Und eben, da taucht der Igel plötzlich wieder in den Medien auf, dieses Mal von Pro Natura zum Tier des Jahres 2026 erkoren.
Botschafter für den Naturschutz
Das «Tier des Jahres» ist in der Schweiz eine jährliche Ernennung durch die Naturschutzorganisation Pro Natura, die seit 1998 besteht. Das Tier fungiert für ein Jahr generell als Botschafter für den Naturschutz und konkret zum Beispiel zur Förderung der Biodiversität oder um auf gefährdete Arten hinzuweisen und um Schutzmassnahmen für deren Lebensräume anzustossen. Es steht sozusagen im Rampenlicht, um Naturschutzprobleme zu beleuchten, aber auch, um Erfolge anschaulich zu vermitteln. So ist im Jahr 2025 die Hain-Schnirkelschnecke als Tier des Jahres ernannt worden und warb damit für Biodiversität im Boden. 2024 war es der Iltis, der mehr Rückzugsorte im Winter braucht und stellvertretend dafür einstand.
Und jetzt ist es der Braunbrustigel, der zu den potenziell gefährdeten Tierarten gehört und als Botschafter für naturnahe Siedlungsräume steht. Die Bevölkerung soll durch diese Aktion wachgerüttelt, aufgeklärt und zum Handeln bewogen werden.
Und da wir uns als Naturschutzgruppe ebenfalls auf die Fahne geschrieben haben, die Leute für die Natur zu sensibilisieren, aufzuklären und zum Handeln zu bewegen, soll an dieser Stelle daran erinnert werden, wie einfach es sein kann, einen Beitrag zu einer gesunden und florierenden Umgebung zu leisten, in der sich auch der Igel wohlfühlt.
Futterhilfe nach dem Winterschlaf
Ende März oder Anfang April erwacht der Igel allmählich aus seinem Winterschlaf. Dann heisst es für ihn, sein Betriebssystem langsam wieder hochzufahren und sich vor allem auf die Suche nach Futter zu begeben. Während seines Winterschlafs ab ca. Ende Oktober verliert ein Igel 20 bis 40 Prozent seines Körpergewichts, was einem täglichen Verlust von 1 bis 2 Gramm entspricht. Entsprechend dünn oder sogar regelrecht abgemagert sucht er nun nach Beutetieren, die jedoch zu dieser Jahreszeit längst noch nicht in Hülle und Fülle vorhanden sind.
Und hier kommt der erste kleine Beitrag, den jeder leisten kann: Um den Igel beim Zunehmen zu unterstützen, kann man eine kleine überdachte Schale mit getrockneten Mehlwürmern aufstellen. Diese liefern ihm wichtige Proteine und lassen ihn schnell dicker werden. Teuer angepriesenes «Spezialfutter» für Igel ist nicht nötig, und einen 500-Gramm-Sack Mehlwürmer gibt es schon für ca. 5 Franken bei Landi. Wichtig ist, dass die Fütterung nicht länger als wenige Wochen dauert, denn Wildtiere ganzjährig zu füttern, ist sogar verboten. Erst Anfang Oktober bzw. je nachdem, wann die Temperaturen richtig sinken, freut sich der Igel dann wieder, wenn er beim Ansetzen von Winterspeck unterstützt wird. Er muss schliesslich für den bevorstehenden Winterschlaf mindestens 500 bis 600 Gramm auf die Waage bringen.
Gut gemeinte Dinge machen den Igel krank
Der Igel ist ein reiner Fleischfresser, das heisst, er kann Pflanzliches nicht verdauen, und Milch oder Milchprodukte bereiten ihm sogar Darmbeschwerden und können ihn schwer erkranken lassen. In einen Trinknapf gehört daher nur Wasser, und die täglich weggefressenen Mehlwürmer lassen einen schnell erahnen, wie zufrieden er damit ist.
Garten- und Grundstücksgestaltung
Der Igel ist ein typischer Siedlungsbewohner und sollte deswegen als Mitbewohner und Nachbar gesehen und respektiert werden, der sich wie wir wohlfühlen möchte und dem man das Leben nicht erschweren sollte. Er braucht Unterschlupf, Tagesverstecke und ein Nest für seine Jungen. Dafür ist er noch nicht einmal anspruchsvoll, sondern begnügt sich mit einem Holz- oder Bretterstapel, einem Spalt unterm Gartenhäuschen oder einem einfach gebauten Igelhaus. Grundsätzlich gilt: Je naturnäher ein Garten oder ein Grundstück gestaltet ist, desto mehr Diversität wird gefördert – und damit beglückt man nicht nur den Igel, sondern auch Insekten, Vögel, Reptilien und letztendlich ja auch sich selbst.
Den Garten oder zumindest einen Teil davon naturnah zu gestalten, ist recht einfach. Hierfür gibt es übrigens gute Tipps unter www.pronatura.ch, und deren Newsletter zu naturnaher Gestaltung ist richtig gut und versehen mit vielen nützlichen Tipps.
Gefahren vermeiden
Kellertreppen, bodennahe Schwimmbecken, Teiche ohne flachen Ausstieg, nicht abgedeckte Schächte, Mauern, hohe Bordsteine – man könnte die Aufzählung noch endlos erweitern – stellen echte Gefahren oder zumindest unüberwindbare Hindernisse dar, nicht nur für den Igel. Auch Reptilien verenden immer wieder qualvoll, weil sie aus solchen Fallen nicht mehr herauskommen. Aus diesem Grund lohnt sich ein prüfender Rundgang, ob nicht irgendwo Verbesserungsbedarf ist und gefährliche Stellen gesichert werden können.
In puncto Igel- und Naturschutz sind wir also noch lange nicht fertig, weswegen man sicher sein darf, dass wir über dieses faszinierende und sympathische Geschöpf ganz bestimmt nicht zum letzten Mal geschrieben haben.