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Sanfte Nachhilfe

Jedes Jahr engagiert sich die Naturschutzgruppe mit gemeinsamen Arbeitseinsätzen, z.B. bei der Benjeshecke. Immer wieder werden wir gefragt, warum es diese Einsätze eigentlich braucht und ob es nicht sinnvoller wäre, gerade die Benjeshecke, die ja schliesslich natürlich gewachsen ist, sich selbst zu überlassen.

Bild: Werni Weibel

Ein wichtiger Auftrag der Naturschutzgruppe ist die Erhaltung und Pflege der Benjeshecke, die im Jahr 1996 im Zuge der Entfernung alter Panzersperren angelegt wurde. Durch alle Jahreszeiten beobachten wir, was sich dort tut und ob und inwiefern es einen Arbeitseinsatz braucht.

Auch in diesem Jahr waren wir im März zu einem Arbeitseinsatz unterwegs und dank einer stattlichen Gruppe an helfenden Händen in weniger als zwei Stunden fertig. Daher an dieser Stelle schon mal ein grosses Dankeschön an alle, die so engagiert angepackt haben!

Wozu überhaupt ein Arbeitseinsatz?

Es ist völlig richtig, dass die Benjeshecke in erster Linie in Ruhe gelassen werden sollte, denn bereits bei ihrer Entstehung hat die Natur das Zepter übernommen und dafür gesorgt, dass sie schnell wächst und gedeiht. Nur schon das anfängliche Anlegen von einem Haufen Totholz zieht viele verschiedene Tiere an, denn dieser bietet bestimmten Vogelarten, Reptilien, Amphibien Insekten u. a. Unterschlupf, Quartier und Nahrung.

Durch den Kot dieser Tiere und ihre gesammelten Nahrungsvorräte gelangen zahlreiche Samen in das Gehölz, treiben aus und bilden damit eine immer grössere Hecke, die bald auch verschiedene Baumarten beherbergt. So sorgt die Natur selbst für die Artenvielfalt und ein wachsendes, lebendiges und nachhaltiges Ökosystem, das sich fortwährend verändert, anpasst und damit selbst reguliert.

Die Pflege einer Benjeshecke steht grundsätzlich unter der Prämisse, die Diversität zu fördern und Dinge, die der Diversität im Weg stehen, zu beseitigen. So haben wir im Prinzip drei Aufgaben:

Entfernung von invasiven Neophyten

Invasive Neophyten, wie zum Beispiel die Goldrute oder das Einjährige Berufkraut, sind unter anderem schädlich, da sie heimische Arten verdrängen. Sie haben keine natürlichen Feinde, wachsen extrem schnell, nehmen heimischen Pflanzen Licht und Wasser weg und entziehen dem Boden Nährstoffe. Ausserdem gefährden sie die Tierwelt, da viele heimische Tiere auf spezifische heimische Pflanzen angewiesen sind. Wenn diese fehlen, brechen ganze Nahrungsketten zusammen. Erfreulicherweise haben wir an der Benjeshecke noch keine invasiven Neophyten gefunden, doch sollte dies der Fall sein, werden sie ausgerissen und in einem Kehricht- oder Neophytensack entsorgt.

Rückschnitt von Überhand nehmenden Pflanzen

Pflanzen, die sich äusserst schnell verbreiten oder andere Pflanzen überwuchern, sollten zurückgeschnitten werden, bevor sie ihnen Licht und Wasser nehmen und damit wiederum der Diversität im Weg stehen. Mit der überaus schnell wuchernden Brombeere haben wir in der Benjeshecke eher weniger zu tun, aber dafür schneiden wir jährlich den dominierenden und sich schnell verbreitenden Hartriegel und halten ihn damit sozusagen etwas in Schach. Jegliches Schnittgut bleibt jedoch in der Hecke und dient somit dem natürlichen Kreislauf. Grössere Stämme bleiben auf dem Boden liegen und dienen als Lebensraum und Nahrungsquelle, bis sie von Pilzen, Insekten und Mikroorganismen allmählich zersetzt und zu Humus werden. Kleinere Äste werden auf die Schnittstellen gelegt und eignen sich damit wiederum als Nisthilfen und Verstecke für diverse Vogelarten. Ebenso verhält es sich mit der Pflege der Teiche. Auch sie sind weitgehend sich selbst überlassen, werden aber auch regelmässig darauf geprüft, ob nicht bestimmte Pflanzen, Algen oder zu viel Laub Überhand nehmen und damit dem Teich und seinen Bewohnern schaden.

Förderung der Diversität

Ein trauriges und besorgniserregendes Merkmal der heutigen Zeit ist das Verschwinden ganzer Lebensräume. Feuchtgebiete und Auenlandschaften verschwinden, Wiesen werden zu Baugrund, Bäume müssen dem Bau von Neubauten weichen, ganz zu schweigen von dem nach wie vor hohen Einsatz von Chemikalien und Pestiziden, der ganze Bienenvölker ausrotten und Schmetterlinge sowie andere Insekten verschwinden lässt, um nur ein paar Dinge aufzuzählen. So versuchen wir als Naturschutzgruppe, dem entgegenzuwirken – zumindest im Kleinen –, und leisten einen Beitrag für die Diversität, indem wir neben unseren Arbeitseinsätzen zur gesunden Erhaltung der Benjeshecke zum Beispiel Nisthilfen aufhängen und einen dritten Weiher anlegen liessen. Ein weiteres Projekt an der Benjeshecke wird übrigens das Anlegen einer Ruderalfläche sein, da sie den optimalen Lebensraum für Wildbienen bietet.

Der wachsende Bekanntheitsgrad unserer Benjeshecke hat Vor- und Nachteile

Nicht nur die Tierwelt erfreut sich an solch einem Lebensraum, sondern auch wir Menschen erfreuen uns daran, wenn es dort flattert, raschelt, quakt und zwitschert und man Rehe beobachten kann, die ihren Durst an den Weihern stillen. Damit dies aber auch so bleibt, möchten wir an dieser Stelle einen freundlichen Appell an alle richten.

Auch einem solchen Lebensraum und all seinen Bewohnern sollte man mit Respekt begegnen. Ganz bewusst ist dort kein Spazierweg angelegt, damit der Mensch möglichst auf Abstand bleibt. Auch die Teiche sind nicht als Pferdetränke gedacht, denn selbst ein Pony ist für die Beschaffenheit der Teichränder zu schwer und richtet nur Schaden an. Und freilaufende Hunde gehören ebenfalls nicht dorthin, aber das weiss man ja eigentlich.

Sie klingt vielleicht etwas widersprüchlich, aber es gibt eine goldene Regel unter Naturfreunden, die besagt: «Je weiter du weg bist, desto mehr siehst du.» Die meisten Tiere sind scheu und lassen sich eher blicken, wenn der Mensch nicht in der Nähe ist.

Wem also die Hecke wirklich am Herzen liegt und wer einmal beobachten möchte, was dort so los ist, der sollte sich ein Fernglas schnappen, sich etwas Zeit nehmen und sich weiter entfernt einen stillen Platz zum Beobachten und Verweilen suchen. Es lohnt sich!