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Mit Koni auf Orchideenwanderung

Orchideen gehören zu den faszinierendsten Blütenpflanzen der Welt. Sie begeistern durch ihre aussergewöhnlichen Blütenformen, ihre Farbenvielfalt und ihre besondere Lebensweise. Viele Menschen kennen Orchideen als beliebte Zimmerpflanzen, doch in der Natur gibt es sie in sehr vielen unterschiedlichen Lebensräumen.

Bild: zVg (Birthe Lohmann)

Orchideen gibt es auch in unseren hiesigen Gefilden zu entdecken. Deshalb zogen wir Anfang Juni zu einer gemeinsamen Orchideenwanderung los. An unserer Seite war wieder einmal Konrad Wiederkehr, besser bekannt als Koni, der uns mittlerweile schon zu einigen Themen die Natur nähergebracht hat.

Als Erstes lernten wir von ihm, woher der Name «Orchidee» überhaupt stammt. Das Wort «orchis» bedeutet schlicht «Hoden». Dieser Name wurde gewählt, weil die unterirdischen Knollen einiger Orchideenarten in ihrer Form daran erinnerten. Später wurde daraus die Bezeichnung für die gesamte Pflanzenfamilie der Orchideen, die wissenschaftlich «Orchidaceae» heisst.

Fast überall anzutreffen

Orchideen sind fast weltweit verbreitet. Besonders viele Arten wachsen in den Tropen und Subtropen. Dort leben viele Orchideen nicht im Boden, sondern sitzen auf Ästen und Stämmen von Bäumen. Solche Pflanzen nennt man Epiphyten. Sie entziehen dem Baum keine Nähstoffe oder schaden ihm auf andere Weise, sondern nutzen ihn nur als Platz zum Wachsen und um näher am Licht zu sein. Es gibt aber auch Orchideen, die in der Erde wachsen, wie zum Beispiel einige heimische Arten in Europa. Andere Arten können sogar auf Felsen leben.

Bunte Spezialisten

Eine besondere Eigenschaft der Orchidee ist ihre grosse Vielfalt. Ihre Blüten können sehr gross oder winzig klein sein, schlicht oder auffällig, einfarbig oder bunt gemustert. Viele Orchideen haben eine spezielle Blütenform, die exakt zu bestimmten Bestäubern passt, zum Beispiel zu Bienen, Schmetterlingen, Motten oder Vögeln. Manche Orchideen täuschen sogar Insekten, indem sie deren Aussehen oder Geruch nachahmen. So erreichen sie, dass die Tiere ihre Pollen weitertragen.

Auch beim Wachsen haben Orchideen besondere Anpassungen entwickelt. So besitzen einige tropische Exemplare dicke Wurzeln, mit denen sie Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen können. Diese Luftwurzeln helfen ihnen, auch ohne Erde zu überleben. Andere Arten speichern Wasser in verdickten Pflanzenteilen, um Trockenzeiten besser überstehen zu können.

Lebensräume schützen

Wie immer, wenn wir mit Koni unterwegs sind, staunen wir darüber, wie er mit seinen Argusaugen auch die kleinste oder unscheinbarste Pflanze wahrnimmt. Und so bleiben wir schon bald vor einer kleinen, braunen und verwelkt aussehenden Pflanze stehen, die recht kümmerlich wirkt und bei uns mit ihrem unscheinbaren Auftritt erst einmal keine Begeisterung hervorrief. Sie wurde uns vorgestellt als Vogelnestwurz. Sie trägt ihren Namen, weil ihre Wurzeln dicht und verzweigt wie ein kleines Vogelnest wirken. Sie wächst meist in schattigen Wäldern mit kalkhaltigem Boden. Auffällig ist, dass sie kein Blattgrün (Chlorophyll) besitzt und deswegen nicht photosynthetisch leben kann. Stattdessen lebt sie in enger Symbiose mit Pilzen im Boden, von denen sie ihre Nährstoffe erhält.

Auf einer Wiese entdeckten wir drei Exemplare der lila Fuchs-Fingerwurz. Ihre schlanken Blätter und der aufrechte Blütenstand mit vielen kleinen Blüten lassen diese Pflanze sehr fein und zart erscheinen. Laut Koni ist sie auch alles andere als häufig anzutreffen, denn sie ist wie viele Orchideen auf ganz bestimmte Standortbedingungen angewiesen und gilt in vielen Regionen als geschützt. Ähnlich verhält es sich mit dem Bleichen Waldvögelein, das wir nur wenige Meter weiter an einem schattigen Waldplatz vorfinden. Typisch sind seine blassgelben bis weisslichen Blüten, die sich oft nicht ganz öffnen. Auch diese Orchidee steht in vielen Gegenden unter Schutz.

Dass wir Orchideen nicht in Hülle und Fülle vorfinden würden, wussten wir zwar, bevor wir uns auf den Weg machten, aber ihre Seltenheit hat uns doch noch einmal vor Augen geführt, wie wichtig es ist, ihre Lebensräume zu schützen. Viele Arten wachsen nur an ganz bestimmten Standorten mit passenden Böden, Lichtverhältnissen und Pilzen im Boden, und diese gehen oft durch Landwirtschaft, Bebauung, Trockenlegung oder Forstwirtschaft verloren. Dazu kommt, dass Orchideen oft langsam wachsen und sich nur schwer neu ansiedeln.

Geselliger Ausklang

Aber was wir nicht in der Natur vorfanden, brachte uns Koni ganz einfach als eine umfangreiche Bildersammlung mit, die er wie eine Galerie an Bäumen befestigte. Auch dazu liess er uns abschliessend an seinem breiten Wissen teilhaben.

Und wir wären nicht die Naturschutzgruppe, wenn nicht auch diese Exkursion mit einem geselligen Ausklang zu Ende gegangen wäre. Auf dem Hof vom lieben Alois durften wir uns bei Bratkartoffeln und erfrischenden Getränken stärken und diesen lehrreichen Spaziergang Revue passieren lassen.