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14. April 2016

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Trotz Rundem Tisch bleibt die Skepsis

Bergdietikon muss beim geplanten Alters- und Pflegezentrum Hintermatt weiterhin mit Widerstand aus der Bevölkerung rechnen. Das zeigte sich am Ende eines Informationsabends zum überarbeiteten Projekt, den die Gemeinde zusammen mit der privaten Investorin Oase Holding am Mittwochabend organisiert hatte. Mit rund 200 Bergdietikerinnen und Bergdietikern stiess der Anlass auf reges Interesse – was angesichts der über Jahre emotional geführten Diskussion über den ersten Projektentwurf nicht erstaunte. Die Kritik, die in der Frage- und Diskussionsrunde am Mittwochabend erneut laut wurde, richtete sich vor allem gegen die Grösse des geplanten Zentrums mit 82 Pflegeplätzen und 48 Alterswohnungen.
So meinte eine Besucherin, die als Pflegefachfrau arbeitet, dass es derzeit viele leere Pflegeplätze gebe. «Es besteht momentan ein Überangebot.» Sie verstehe nicht, warum ausgerechnet im kleinen Bergdietikon ein derart grosses Projekt realisiert werden solle.

Zu gross, zu teuer, zu dezentral

Vor der Diskussionsrunde hatte bereits Armin Sommer von der IG Seniorenresidenz Bergdietikon in einem Vortrag vor dem Entstehen einer «Pflegeindustrie» gewarnt. Sommer fordert die Auflösung des Vorvertrags zwischen Gemeinde und Privatinvestorin – über seinen Antrag stimmt die Gemeindeversammlung im Juni ab. Das geplante Zentrum sei zu gross, zu dezentral und für die Bewohner zu teuer, sagte Sommer. Er bezeichnete das von der Oase prognostizierte Bevölkerungswachstum, das für den künftigen Bedarf an Pflegeplätzen herangezogen wurde, als falsch.
«Für dieses Wachstum hat es in Bergdietikon schlicht keinen Platz», so Sommer. Die einzige grössere Baulandreserve sei das Gebiet Rai, deren Überbauung die Stimmberechtigen im letzten Herbst vorerst einen Riegel vorgeschoben hatten. Aus Sommers Sicht bringt «das Zentrum der Oase Gewinne und uns Steuerzahlern Folgekosten». So müsse sich die Gemeinde bei auswärtigen Bewohnern des Zentrums an deren Pflege- und Spitexkosten beteiligen – eine Behauptung, die in der Diskussionsrunde zu einem rechnerischen Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern führte.
Sommer schlug vor, den Bedarf an Pflegeplätzen und Alterswohnungen durch das Pflegezentrum Egelsee und die Stiftung für altersgerechtes Wohnen zu decken. Die beiden Institutionen könnten innert nützlicher Frist ausgebaut werden. Beim Zentrum Hintermatt hingegen sei unklar, ob es in dieser Form überhaupt bewilligt werde. Sommer verwies dabei auf die Einschätzung eines Anwalts, den er hinzugezogen hatte. Er sei sehr skeptisch, ob das Projekt dem öffentlichen Interesse diene und vom Kanton als zonenkonform in der öffentlichen Zone angesehen werde, sagte dieser in der Diskussion.

Nur noch Mieter über 60

Als zonenkonform beurteilte hingegen der von der Gemeinde beauftragte Rechtsanwalt Nik Brändli das geplante Zentrum.
Im Gegensatz zum ursprünglichen Projekt, dem der Kanton die Zonenkonformität abgesprochen hatte, erfüllt das Projekt seiner Meinung nach nun einen öffentlichen Zweck. Dies insbesondere deshalb, weil die Wohnungen nur noch an Personen über 60 Jahre und inklusive gewisser Pflegedienstleistungen vermietet werden sollen. «Wichtig ist, dass diese Eckpunkte in den Sondernutzungsvorschriften festgehalten werden», sagte Brändli.
Zuvor hatten Vertreter des Gemeinderats und der Oase Holding das Projekt, das im Rahmen eines Runden Tisches auch zusammen mit anfänglichen Kritikern überarbeitet worden war, ausführlich präsentiert. Dabei versuchten sie, mögliche Bedenken zu zerstreuen. «Die Oase Holding strebt keine überrissenen Renditen an», sagte Beatrice Tschanz, Verwaltungsratspräsidentin des Unternehmens. Projektleiterin Sabine Scheurer wies auf die Verbesserungen des Projekts hin, wie die Verkleinerung der Gebäude und deren bessere Einpassung in die Landschaft, und pries die Vorzüge des Zentrums für die Öffentlichkeit an. Diese könne Teile der Infrastruktur und der Dienstleistungen – etwa Mehrzweckräume oder Fitnesscenter – mitbenutzen. Vonseiten der Oase hiess es mit Verweis auf Berechnungen des Kantons Aargau für die Region Baden zudem, dass der Bedarf für ein Zentrum dieser Grösse gegeben sei.

Limmattaler Zeitung vom 14. April 2016 (Tobias Hänni)

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