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Aktuelles: Bericht

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26. Mai 2017

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Das Vieh kam vor den Menschen

Diese Bergdietiker Gemeinderatssitzung war eine denkwrdige. Es waren Vorkehrungen zu treffen fr den Fall einer kompletten Evakuierung aller Einwohner.

Nachzulesen im Sitzungsprotokoll vom 28. Januar 1940. Rund um die Schweiz tobte der Zweite Weltkrieg. Was, wenn deutsche Soldaten einmarschierten? Der Plan sah so aus: In sieben Gruppen wrden die Bergdietiker auf dem Herrenberg versammelt, um von dort ber den Mutschellen Richtung Sden oder Westen in Sicherheit gebracht zu werden. Fr eine etwaige Flucht musste fortan stets gengend Treibstoff «gebunkert» sein. Alle fr die Flucht vorgesehenen Fahrzeuge unterstanden einer strengen Kontrolle, um ihren Verkauf zu verhindern. Bei einer Evakuierung sollte zuerst das Vieh gerettet werden, dann erst die Zivilbevlkerung, danach die Motorfahrzeuge. Diese Priorisierung verwundert nicht, hing doch das berleben der Bevlkerung von den Nutztieren ab. Die meisten Nahrungsmittel waren rationiert – Verwaltung des Mangels. Das beschauliche Bergdietikon mit damals 450 Einwohnern erlebte schwere Jahre.

Fr ihre aktuelle Ausstellung «Bergdietikon im Schatten des Zweiten Weltkriegs» hat die Museumskommission umfangreiche Recherchen betrieben und dabei Spannendes zusammengetragen. Lotti Locher, Mitglied der Kommission und 1940 geboren, kann sich noch an die Zeit erinnern. «Die Rationierungsmarken musste man beim Gemeindeschreiber Rudolf Halter abholen. Da hiess es zunchst lange auf der Bank sitzen und warten, weil so viele anstanden.» Auch Brennholz, getrennt nach Hart- und Weichholz, war rationiert. In der Ausstellung kann man nicht nur einige der Marken sehen, sondern auch die damalige Ausweiskarte von Halter. Kommissionsprsident Urs Sprri freut sich, dass es gelungen ist, das Museumsarchiv zu diesem Zeitraum zu ergnzen. «Einige Privatpersonen haben uns Ausstellungsgegenstnde geschenkt, andere haben uns schriftliche Dokumente leihweise zur Verfgung gestellt, etwa Persnliches wie Briefe von Soldaten.»

Auf die Suche nach Schriftlichem ging auch Kommissionsmitglied Brigitte Diggelmann. Sie durchforstete smtliche Ausgaben des Vorgngers der Limmattaler Zeitung «Der Limmattaler» nach Bergdietiker Nachrichten aus den Kriegsjahren. In den Archivbnden knnen auch die Besucher blttern. Sprri: «Bei der Recherche fr die Ausstellung beginnt man auf einmal, in dieser Zeit zu leben. Das vermittelt ein ganz anderes Gefhl fr die Ereignisse.» Ein briges tun die Zeitzeugen wie Fotoalben, Soldatenstiefel, Kleidungsstcke und andere Gebrauchsgegenstnde sowie die ansprechend gestalteten Info-Tafeln. Man erfhrt von den wenigen nationalsozialistisch Gesinnten im Dorf, der harten Zeit fr die Frauen, welche die Arbeit ihrer Militrdienst leistenden Mnner schultern mussten, die im Dorf internierten 200 bis 300 Polen, die im Ortsteil Kindhausen in Baracken lebten, sowie von der mhsamen Errichtung der Panzersperren whrend des Krieges und deren ebenso aufwendigen Entfernung nach dem Krieg.

Limmattaler Zeitung vom 20. Mai 2017 (Gabriele Heigl)

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