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1. Juni 2018

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Fr einen Tag war alles anders

Der Duft von sssem Gebck liegt in der Luft. Eine Seniorin dreht Kgelchen aus Teig. Sie landen im heissen Waffeleisen. «Der Profi ist dran», sagt der 17-jhrige Denis Hoxha. Er befrdert die frischen Waffeln mit dem Pfannenwender in eine Plastikbox. Die 92-jhrige Berta Meier stupst ihn am Arm, zeigt auf den Teig und sagt: «Komm, wir machen weiter.» Neben ihnen am Tisch spielt Valerio Passalacqua mit der Seniorin Eva Greutert Mhle. Er schnappt sich zwei Waffeln. Bevor er reinbeisst, schaut er zu seiner Spielpartnerin. «Wollen Sie auch eine?», fragt er. Sie nickt und Valerio reicht ihr das Gebck. «Vorsicht, es ist heiss.»

So viele junge Besucher aufs Mal haben die zehn Bewohner des Wohn- und Pflegeheims Egelsee in Bergdietikon noch nie gehabt. 14 Schler und eine Schlerin der Berufswahlschule Blach verbrachten den ganzen Donnerstag mit ihnen. Dies taten sie im Rahmen eines Schulprojekts. «Es ist vorgesehen, dass wir ein persnliches Vorhaben selbst planen und durchfhren», sagte Assan Sowe. Seine Klasse vereine viele Nationen wie etwa Italien, Pakistan, Sri Lanka, Albanien, Mexiko und Serbien. «Deshalb kam uns die Idee, Senioren unsere Kulturen nher zu bringen», sagte der 17-jhrige Gambier. Die Jugendlichen versuchten ber Gesprche, Musik und landestypische Spezialitten den Senioren einen Einblick in ihre Kultur zu verschaffen. Zum Highlight gehrten die Hip-Hop-Tanzeinlagen einiger Berufswahlschler. Sie hatten dafr im Sportunterricht extra eine Choreografie einstudiert.

Frher Walzer, heute Hip-Hop

Gespannt verfolgten die Senioren die Darbietungen. «Wir haben frher halt Salsa und Walzer getanzt», sagte Berta Meier. Der 91-jhrige Ernst Frischknecht htte gerne mitgemacht. «Doch meine Beine wollen nicht mehr.» Er und die restlichen Bewohner freuten sich ber den Besuch. «Es ist nicht blich, dass junge Leute etwas fr alte Menschen machen», sagte Elsbeth Berner. Auch Vreni Tschmperlin gefiel das Tagesprogramm. «Das ist einmal etwas anderes. Im Alter wird man zum Stubenhocker. Es ist deshalb schn, dass die Jungen zu uns kommen.»

Ein positives Fazit zieht auch Klassenlehrer Boris Sabolovic. «Ich bin stolz auf sie. Ich htte nicht gedacht, dass sie so gut auf die Senioren eingehen knnen.» Die Jugendlichen sind etwas kritischer mit sich. «Die Choreografie htten wir besser hinbekommen knnen», sagte Assan Kewo. Der Besuch in Bergdietikon brachte aber auch Erkenntnisse. «Die Planung ist sehr wichtig. Man kann nicht genug frh damit beginnen», meinte Ethian Kuchynka. Und Florin Ionescu konnte seine Meinung ber ltere Menschen revidieren. «Ich dachte, dass sie sich gar nicht fr uns interessieren. Das Gegenteil war der Fall.» Der Besuch der Schler soll nicht der letzte dieser Art im Bergdietiker Heim gewesen sein. Zumindest wenn es nach Heimleiter Martin Schmidt geht. «Die Bewohner haben Freude am Austausch. Wir werden uns bemhen, dass solche Treffen wieder stattfinden.»

Limmattaler Zeitung vom 1. Juni 2018 (Sibylle Egloff)

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