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2. Mai 2017

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Mit Gartenarbeit zum Tffli

«Geschtzte Leute von Bergdietikon: Brauchen Sie Hilfe im Alltag? Ich helfe Ihnen gerne!» Hinter diesen Stzen verbirgt sich nicht etwa eine Nachbarschaftshilfe oder Sozialbetreuung, sondern ein 13-jhriger Bergdietiker Schler. Aaron hat ein Ziel, zu dessen Erreichung er Geld braucht, und so kam er auf die Idee, auf Jobsuche zu gehen. Mit kleiner Formulierungsuntersttzung von seiner Mutter entwarf er ein Plakat, das er an den Bushaltestellen in Bergdietikon aufhngte. Einige Beispiele sollten seine potenziellen Auftraggeber auch gleich noch von seiner Vielseitigkeit berzeugen: «Ich mhe Ihren Rasen, gehe mit Ihrem Hund spazieren, wasche Ihr Auto, gehe fr Sie einkaufen.»

Das war vor gut einem Monat. Inzwischen hatte er eine Handvoll Jobs, die ihm insgesamt etwa 100 Franken einbrachten. «Ein Nachbar brauchte zum Beispiel Untersttzung beim Heckenschneiden. Meine Aufgabe war es, die grossen Stcke, die er abgeschnitten hatte, mit einer Handschere kleiner zu schneiden», meint Aaron, der die 7. Klasse der Spreitenbacher Sekundarschule besucht. Zwei Mal war er schon fr eine ltere Dame im Einsatz. «Zuerst hatte ich den Auftrag zu staubsaugen, danach habe ich ihr im Garten geholfen.» Unter anderem ging es darum, eine Christrose wohlbehalten in die Erde zu bringen.

Kollegen lstern nicht mehr

Offensichtlich war die Bergdietikerin mit dem aufgestellten jungen Mann zufrieden. Seine Auftraggeber zeigten ihm stets ihre Freude ber seine Hilfe und lobten ihn fr die Qualitt seiner Arbeit, meint Aaron auf Nachfrage.
Man merkt, dass er zwar vor allem sein Ziel erreichen mchte, ihm aber auch die Arbeit selbst Spass bereitet. Einige seiner Schulkollegen htten sich erst ein bisschen lustig ber ihn gemacht und gemeint: «Du kannst ja bei uns zu Hause anfangen.» «Das hat mir aber nichts ausgemacht», so der 13-Jhrige, «ausserdem hat es aufgehrt, als sie erfahren haben, wie viel ich schon verdient habe», meint er lachend.

Mit den 100 Franken hat Aaron bereits mehr als den halben Betrag zusammen, den er fr sein Ziel braucht: den Mofa-Fhrerausweis. 180 Franken kostet der, und er mchte sobald als mglich die Prfung ablegen, damit er an seinem 14. Geburtstag auch gleich losdsen kann. Bei 13 Franken Sackgeld im Monat kann er sich nicht viel zurcklegen, und seine Eltern sind der Ansicht, dass er sich das Geld fr seinen Wunsch selbst erarbeiten soll. «Ich finde es gut, dass er sein Ziel aus eigener Kraft erreichen kann», meint Aarons Mutter Karin Seiffert. Aber ihr ist wichtig, dass sie die Auftraggeber, zu denen Aaron ins Haus geht, kennt. Dieser hat auch nicht die Absicht, etwa nach Dietikon zu «expandieren». «Ich nehme Auftrge nur in Bergdietikon an, hier kenne ich mich aus.»

Stundenlohn frei whlbar

Einen festen Stundenlohn verlangt er nicht. Er berlsst es seinen Auftraggebern, wie viel sie ihm zahlen mchten. «Das soll danach gehen, wie zufrieden sie mit mir waren», meint Aaron. Ausgenutzt habe das noch keiner. Um die 15 Franken habe er im Schnitt fr die Stunde erhalten, genauso wie das der Schweizerische Gewerkschaftsbund vorschlgt (siehe unten). «Mich freut vor allem, dass ich mit jedem Job meinem Ziel nher komme», meint Aaron, der wie seine 11-jhrige Schwester auch zu Hause mithelfen muss – natrlich ohne Bezahlung.

Karin Seiffert passt auf, dass das Jobprojekt ihres Sohnes nicht berhandnimmt und er noch gengend Freizeit hat. Die verbringt der Schler mit den Lieblingsfchern Geografie, Geschichte und Turnen am liebsten beim Fussball und mit seinem Handy; einmal in der Woche erhlt er Klavierunterricht. Ausserdem widmet er seinem Computer viel Zeit, denn Informatiker ist sein Berufsziel. «Ich knnte auch jetzt schon am PC helfen.» Das klingt nicht danach, dass er sich bald wieder aus dem Arbeitsmarkt zurckzieht. «Ich blttere schon in Tffli-Prospekten. Gebrauchte kosten so zwischen 400 und 700 Franken.»

Limmattaler Zeitung vom 29. April 2017 (Gabriele Heigl, Bild: Alex Spichale)

Das sagt das Arbeitsgesetz

Ab 13 Jahren drfen Jugendliche jobben. Ausnahme: schwere und gesundheitsgefhrdende Arbeiten. Sie brauchen das Einverstndnis der Eltern, das aber nicht schriftlich vorliegen muss. Unter 16-Jhrige drfen nur bis 20 Uhr im Einsatz sein. Einen gesetzlich garantierten Mindestlohn gibt es fr diese Altersgruppe nicht. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund empfiehlt 15 Franken pro Stunde fr Teenager, die ihre obligatorische Schulzeit noch nicht beendet haben.
Bleibt noch die Versicherungsfrage. Wer lediglich privat und ohne Vertrag beim Nachbarn in Garten oder Haushalt, beim Einkaufen oder Babysitten hilft, ist bei einem Unfall oder Schaden ber die Privathaftpflichtversicherung der Eltern abgesichert. (GAH)

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